Knapp 30 Prozent der deutschen Unternehmen haben in ihrem Credit Management Vorkehrungen für die gegenwärtige „zweite Corona-Welle“ getroffen. Gleichzeitig lassen viele Unternehmen lange Zahlungsziele zu – in der aktuellen Situation ein hohes Risiko. Das geht aus der jüngsten Umfrage des Bundesverbandes Credit Management (BvCM) zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie hervor. Insgesamt sieben Umfragen hat der BvCM 2020 durchgeführt. Im Durchschnitt haben sich 100 Credit Manager beteiligt. In diesem Jahr ist in jedem Quartal eine Umfrage vorgesehen.  

Welche Schlussfolgerungen haben die Unternehmen aus der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 für die aktuelle Pandemie-Situation gezogen? „Erhöhte Wachsamkeit, intensives Monitoring, proaktive Prüfung der Kreditlimite: Das sind nur einige der Maßnahmen, die die befragten Unternehmen genannt haben“, erklärt Jan Schneider-Maessen, geschäftsführender Vorstand des BvCM. Die detaillierte Neuprüfung der umsatzstärksten Kunden, die Sensibilisierung für verschleppte Insolvenzen und der interne Dialog mit dem Vertrieb zur Früherkennung von Risiken sind weitere Aktionen, die in den Unternehmen angegangen wurden. „Wir müssen uns im Credit Management jetzt auf die weiteren Entwicklungen in diesem Jahr vorbereiten“, betont Schneider-Maessen. Und die seien alles andere als gewiss. Niemand können vorhersagen, wann die Pandemie beherrschbar sei – trotz des Impfstarts.

Das Wichtigste seien derzeit aktuelle Daten über die eigenen Kunden – und bestenfalls über deren Kunden. Dafür sei insbesondere der Austausch mit dem Vertrieb wichtig. Das ging auch aus der Antwort auf die Frage „Inwieweit ist der Vertrieb in die Kreditentscheidung involviert“ hervor. Rund 50 Prozent der Befragten beantwortete die Frage mit „häufig“ oder „sehr häufig“. Bei der anderen Hälfte der Befragten, so Schneider-Maessen, bestehe hier noch Nachholbedarf. Die eigenen Vertriebskollegen seien eine unverzichtbare Informationsquelle. Sie haben schließlich den direkten Draht zu den Kunden.

Lange Zahlungsfristen
Sorge bereitet dem BvCM-Vorstand die Zunahme der langfristigen Zahlungsvereinbarungen. Immerhin 17 Prozent der Befragten gewähren ihren Kunden Zahlungsfristen von bis zu 180 Tagen. Im Juni 2020 lag dieser Wert noch bei 4 Prozent. „Wir reden hier über ein halbes Jahr. Wer kann im Januar schon sagen, wie es den Kunden im Juli 2021 geht?“, so Jan Schneider-Maessen. Mit solch langfristigen Vereinbarungen gehe man ein großes Risiko ein. Auch die Tatsache, dass nur 20 Prozent der Unternehmen zusätzliche Sicherheiten fordern, ist aus Credit-Management-Sicht erstaunlich.

Nicht weniger bemerkenswert ist die Tatsache, dass über den gesamten Zeitraum hinweg nur die wenigsten Unternehmen ihre Geschäftsbedingungen angepasst haben. Immerhin 15 Prozent der Befragten haben die Erfassung der Kundenstammdaten erweitert – unter anderem um Punkte wie Branche, Boni-Check, „Staatshilfe in Anspruch genommen?“ und „Umsatz je Segment“.

Kreditlimits angepasst
Dagegen haben bereits 55 Prozent der befragten Unternehmen die Kreditlimits ihrer Kunden angepasst. Zu Beginn der Pandemie waren es nur 30 Prozent. Hier ist also ein deutlich höheres Risikobewusstsein zu verzeichnen.

Erfreulich ist das Ergebnis, dass die bewussten Überschreitungen der Zahlungsfristen wieder rückläufig sind. Zu Beginn der Pandemie berichteten über 40 Prozent der Befragten von solchen Verzögerungen, mittlerweile sind es nur noch 30 Prozent. „Hier scheint sich eine gewisse Solidarität durchzusetzen“, so Schneider-Maessen. Den Unternehmen ist offensichtlich bewusst, dass sie ihre Lieferanten in Schwierigkeiten bringen können, wenn sie sich mit der Zahlung zu viel Zeit lassen.

Kreditversicherung
Ein sensibles Thema bleibt das Verhältnis zu den Kreditversicherern. Nur noch 60 Prozent der Befragten gaben an, Informationen von ihren Kreditversicherern zu bekommen. Zwischenzeitlich lag dieser Wert bei knapp 80 Prozent. Und die Informationen, die kommen, sorgen nicht immer für Begeisterung: Es geht um Limitstreichungen, Erhöhungen der Prämien oder die Aufforderung zur Portfoliobereinigung. „Sollte es von unseren Mitgliedern Bedarf an Gesprächen mit den Kreditversicherern geben, werden wir dies als Bundesverband gerne übernehmen“, bietet Schneider-Maessen an. Durch die Verlängerung des Schutzschirmverfahren bis zur Jahresmitte 2021 habe sich die Situation zwar entspannt. Aber offen sei, wie es nach dem Ende der Verlängerungsfrist weitergehe.

Quelle: BvCM
Foto: mediamixx.eu