Wer in der Fashion-Industrie überwiegend Geschäfte in Deutschland macht, muss sich jetzt dringend auf das Jahresende vorbereiten. Nicht nur, weil der verschärfte Corona-Lockdown die erhofften lukrativen Weihnachtsumsätze der Retail-Kunden in akute Gefahr bringt. Und damit die filigrane Balance aus Zahlungsvereinbarungen, Lieferverschiebungen und Verlängerung von Orderrhythmen, mit der die Branche bisher den Auswirkungen der Pandemie getrotzt hat.

Nein, zum Jahresende sind nun auch wieder überschuldete deutsche Unternehmen gesetzlich verpflichtet Insolvenz anzumelden. Damit wird offen gelegt, wie solvent die Handelskunden der Fashion-Industrie tatsächlich sind und welche Forderungsausfälle von ihr zu verkraften sein werden.

Dabei tritt der fatale Effekt auch noch mit einer Verzögerung ein. Denn anders als beim Wiederaufleben der Insolvenzanmeldepflicht für zahlungsunfähige Unternehmen zum 01. Oktober, haben lediglich überschuldete Unternehmen noch drei Wochen Zeit, um mittels ernsthafter Sanierungsversuche den Gang zum Insolvenzgericht hinauszuschieben.

Das bedeutet, dass die Industrie erst ab Mitte Januar mit den ersten Insolvenzfällen rechnen muss, möglicherweise als Beginn einer Insolvenzwelle, sollte sich die Verbraucherstimmung Corona-bedingt weiter eintrüben. Also genau dann, wenn der Vertrieb unterwegs ist, um Aufträge für die neue Saison einzuholen.

Das setzt das Forderungsmanagement unter Zugzwang:
Zum einen muss bis Ende Dezember alles daran gesetzt werden offene Forderungen noch zu realisieren. Alles was bis dahin noch eingetrieben werden kann darf auch ein Insolvenzverwalter, sollte der Schuldner im Januar Insolvenz anmelden müssen, nicht wieder zurück verlangen. Denn seine Möglichkeit der Insolvenzanfechtung ist noch bis Jahresende ausgesetzt.
Zum anderen müssen mit aktuellen, aussagefähigen Kreditauskünften die Bonitäten der Handelskunden vor der Ordervergabe verlässlich abgeklopft werden.

Quelle: MODINT Credit & Finance
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