Die Zahlungsmoral in der Modebranche wird offenbar immer schlechter. Mehr als drei Viertel (78%) der vom Kreditversicherer Coface befragten Unternehmen des Textil- und Bekleidungssektors beklagen, dass sie ihr Geld später erhalten haben als in den Zahlungszielen vereinbart. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2017 waren es 58%. In keiner anderen Branche fiel der Anstieg der Zahl der Unternehmen mit Zahlungsverzögerungen höher aus.

Im Durchschnitt aller Branchen mussten 85% der Unternehmen länger auf ihr Geld warten. Deutlich mehr als noch vor zwei Jahren.

Noch stärker betroffen von dem Problem ist seit längerem aber der Groß- und Einzelhandel: Dort klagen sogar 89% der Unternehmen über verspätete Zahlungseingänge. 2017 waren es noch 75% gewesen. Im Automobilsektor erhöhte sich die Quote von 73% auf 81%. Im Transportsektor hat sich die Zahlungsmoral hingegen verbessert. Wenn auch nur leicht: 2017 berichteten 86% der Befragten von Zahlungsverzögerungen. In diesem Jahr waren es nur noch 81%. Über alle Branchen hinweg stieg der Anteil der Unternehmen, die länger auf ihr Geld warten mussten, von 78% auf 85%.

Hauptgrund für die Verzögerungen sind der Coface-Zahlungsumfrage zufolge finanzielle Schwierigkeiten der Kunden: 46% der befragten Unternehmen gaben das zu Protokoll. Als Hauptursache für den finanziellen Druck nannten 45% der Firmen den harten Wettbewerb, der die Gewinnmargen belaste. Ein Viertel der Unternehmen sah in der mangelnden Finanzierung das Hauptproblem, 15% nannten Managementprobleme als entscheidenden Faktor bei Zahlungsverzögerungen.

Geschäftserwartungen eingetrübt
Außerdem ergab die Studie, dass kurzfristige Kreditlaufzeiten weiterhin Standard im Markt sind: 87% der Befragten in Deutschland erwarten, dass die Zahlungen innerhalb von 60 Tagen erfolgen. Das ist im internationalen Vergleich eine hohe Zahl. In Polen gaben einer anderen Coface-Umfrage zufolge nur 64% der Unternehmen Zahlungen innerhalb von zwei Monaten vor. In China waren es weniger als die Hälfte, in Marokko sogar nur 16%.

In der Modebranche liegt die durchschnittliche Laufzeit von Lieferantenkrediten („Zahlungsziel“) bei 45 Tagen. Ein Tag weniger als 2017. Im Schnitt hat es der Umfrage zufolge allerdings 83,6 Tage gedauert, bis die Rechnungen tatsächlich beglichen waren. Über alle Branchen hinweg waren es 72,8 Tage.

Der Grund für verlängerte Zahlungsziele liegt laut Coface weniger in einem gesteigerten Vertrauen in die Kunden, sondern vielmehr in der Absicherung der Forderungen: 23% der Befragten haben ihre Kreditrisiken versichert. 2017 waren es lediglich 14% gewesen. „Da es nach wie vor Standard ist, die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen, werden wohl auch längere Laufzeiten für den Lieferantenkredit gewährt“, sagt die Coface-Volkswirtin Christiane von Berg.

Und das, obwohl sich die Geschäftserwartungen deutlich eingetrübt haben: 30% der Befragten berichten, dass sich das Geschäft in diesem Jahr verschlechtern wird. Im Textilbekleidungssektor waren es sogar 50%. Die meisten Pessimisten gibt es im Automobilsektor mit einem Anteil von 62%.

Quelle: textilwirtschaft.de
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