Was passiert, wenn der Schutzschirm für Warenkreditversicherungen Ende Juni ausläuft? Atradius und Coface versuchen, Sorgen zu zerstreuen. Marktführer Euler Hermes will nicht sprechen.

Warenkreditversicherungen sind im Zuge der Coronakrise bei vielen Treasury-Abteilungen auf die Agenda gerückt. Derzeit schützt der im Dezember verlängerte Schutzschirm Lieferketten und Factoring-Programme. Doch was passiert Ende Juni, wenn der Schutz ausläuft und Warenkreditversicherungen wieder nach den Gesetzen des Marktes bewertet werden?

Vertreter von Atradius und Coface – die Nummern 2 und 3 auf dem deutschen Kreditversicherungsmarkt – treten im Gespräch mit DerTreasurer der Befürchtung entgegen, dass sie Limite auf breiterer Front absenken oder Deckungszusagen ganz ablehnen werden, um ihre Bilanzen zu schützen.

Coface
Damit hat sich die Lage binnen Jahresfrist deutlich geändert. „Damals haben wir im Nebel gestochert, keiner wusste, welche Folgen die Pandemie für die Wirtschaft haben wird“, sagt Jochen Böhm, Regional Risk Underwriting Director Nordeuropa bei Coface. Deshalb habe man den Schutzschirm zur Sicherung von Lieferketten aufgelegt. Doch mit jedem Monat sehe man klarer und wisse, welche Branchen betroffen seien: „Wenn der Schutzschirm ausläuft, wird es daher auch keinen harten Cut geben“, betont Böhm.

Atradius
Ähnlich schätzt Thomas Langen von Atradius die Lage ein: „Jeder staatliche Eingriff in den Markt sollte ein natürliches Ende haben. Der 1. Juli ist dafür ein vernünftiges Datum“, sagt der Senior Regional Director für Deutschland, Mittel- und Osteuropa. Atradius sei stark genug, um auch ohne den Schutzschirm ausreichend Deckung zur Verfügung zu stellen.

Natürlich werde es Fälle geben, in denen Deckungen nicht mehr aufrechterhalten werden könnten, so Langen: „Sonst bräuchte es den Schutzschirm ja nicht. Aber wir schauen uns jeden Einzelfall an und treffen keine branchen- oder ratingbezogenen Entscheidungen.“ Coface-Manager Böhm räumt indes ein: „Bei bestimmten Unternehmen haben wir Kreditlimite bis Ende Juni befristet. Dabei handelt es sich jeweils um individuelle Entscheidungen.“

Euler Hermes
Einer steht nicht für ein Interview zur Verfügung, nämlich der Marktführer Euler Hermes. Im vergangenen August war bekanntgeworden war, dass er Limite für zahlreiche Unternehmen mit schwachen Bonitäten an das Bestehen des Schutzschirms geknüpft hatte. Die Aktion war damals auf breite Kritik gestoßen – auch aus den Reihen von Treasurern.

Wer übersteht die Coronakrise?
Die Kreditversicherer stehen vor der Herausforderung, trotz zahlreicher staatlicher Stützungsmaßnahmen die Zukunftsfähigkeit einzelner Firmen bewerten zu müssen. „Vor allem bei großen Abnehmern schauen wir uns noch intensiver als in der Vergangenheit Kostenstrukturen, Auftragsbestände oder Nachfrageentwicklungen an“, so Atradius-Manager Langen. Auch der Ruf in der Branche oder der Umgang mit früheren Krisen seien Indikatoren: „Der Austausch mit unseren Kunden ist noch enger und regelmäßiger geworden.“

Quelle: dertreasurer.de
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